Sammelproben in DSA5

Die Sammelprobe in DSA5 ist ein Grundmechanismus in DSA5 und trotzdem nur schwer zu durchschauen. Heute möchte ich die Sammelprobe genauer unter die Lupe nehmen und komme dabei zu durchaus überraschenden Ergebnissen. Am Ende gibt es dann auch eine Zusammenfassung für all die, die schon beim Wort Statistik einen Ausschlag bekommen.

In meinen Beiträgen zum Grundregelwerk  und zum Kompendium  habe ich die Sammelprobe heftig kritisiert. Aufwendig, undurchdacht und schwer zu durchschauen. So schwer zu durchschauen, dass zumindest das „undurchdacht“ nur auf einem Gefühl beruhte. Das nagte an mir, bis Nik-Naks hervorragender Beitrag zu Qualitätsstufen mir den letzten Schubs gaben. Ich programmierte ein kleines Matlab-Skript (hängt im Anhang), das mir die Wahrscheinlichkeiten für die Sammelprobe ausgibt und so die wichtigsten Fragen beantworten kann.

Wie gut kann man Sammelproben einschätzen?

Beginnen wir mit einem klassischen Beispiel. Unser Held Alrik hat ganz gute Attribute von 13/13/13 und einen TaW von 6. Wenn die Probe gelingt, hat er meistens 2 QS, selten einmal 1 QS. Manchmal misslingt die Probe. Bei 7 möglichen Proben sagt mein Bauchgefühl, dass es mit etwas Glück klappen könnte. Tut es aber nicht. Denn ich habe die Abzüge für misslungene Proben nicht eingerechnet. Denn Alrik gelingen zwar die meisten Proben, aber eben nicht alle. Das hat im Lauf der Sammelprobe verheerende Folgen, wie man in dieser Grafik sieht.

verlauf-sammelprobe-taw-6-13_13_13

Die Grafik zeigt Alriks Erfolgschance und seine erwürfelten QS von der ersten bis zur letzten Probe. Die erste Probe gelingt zu 73% und Alrik erzielt im Schnitt 1.2 QS. Doch das bleibt nicht so. Denn sobald eine Probe misslingt, erhält er den -1 Abzug auf alle folgenden Proben. Durch den Malus misslingen dann noch mehr Proben, was dann den Abzug weiter erhöht. Das führt in eine Abwärtsspirale, durch die die zehnte Probe nur noch zu 50% gelingt und nur noch 0.75 QS bringt. Die letzte Probe bringt also viel weniger als die erste. Trotz seiner recht passablen Werte gelingt Alrik eine einfache Sammelprobe nur zu 18%.

Die Abzüge sorgen also dafür, dass Sammelproben mitunter schwer abzuschätzen sind. Dadurch wird es noch wichtiger, sich auf die offizielle Einteilung in einfach, mittel und schwer verlassen zu können. Doch wie gut ist den Autoren das gelungen?

Wie schwierig sind Sammelproben?

Beginnen wir mit einfachen Sammelproben, die von DSA5 am häufigsten verlangt werden. In 7 Proben müssen 10 QS erzielt werden. Die folgende Grafik zeigt die Erfolgschance bei unterschiedlichen TaWs. Je weiter man den Linien nach rechts folgt, desto höher wird der TaW. Die orange Linie gilt für recht durchschnittliche Attribute von 13/13/13. Bei einem TaW von 0-3 hat Alrik keine Chance, eine einfache Sammelprobe zu schaffen. Denn er kann immer nur 1 QS erzielen, was aber nicht ausreicht. Bei TaW 4-6 erzielt Alrik auch mal QS 2. Durch die Abzüge bei misslungenen Proben reicht das aber noch nicht aus. Bei TaW 7 erreicht er dann auch mal 3 QS und jetzt schnellt die Erfolgschance nach oben. Mit TaW 9 oder mehr gelingt die Probe dann schon fast sicher.

sammelprobe-attribute-7-proben

Niedrigere Attribute machen die Kurve flacher. Man braucht also einen höheren TaW, um die Sammelprobe zu schaffen. Die blaue Linie zeigt die Erfolgschance für Attribute von 11/11/11: Bis TaW 7 ist besteht fast keine Hoffnung und erst ab TaW 11 gelingt die Probe fast sicher. Die um 3 niedrigeren Attribute verlangen also einen um 3 höheren TaW. Höhere Attribute machen die Kurve extrem steil. Die gelbe Linie für Attribute von 15/15/15 schnellt plötzlich in die Höhe. Mit TaW 4 hat man kaum eine Chance, mit TaW 7 ist das eine sichere Sache.

Wie viel schwieriger sind jetzt mittlere und schwierige Sammelproben? Die nächste Grafik zeigt, welche TaW Alrik braucht, um eine einfache, mittlere und schwierige Sammelprobe zu bestehen.

sammeleprobe-schwierigkeit-13_13_13

Mit TaW 9 schafft er einfache Sammelproben fastsicher, mit TaW 11 auch mittlere, mit TaW 15 auch schwere. Zwischen einfacher und mittlerer Sammelprobe besteht also nur sehr wenig Unterschied! Die Ursache sind wieder die Abzüge durch misslungene Proben. Die Abzüge werden immer schlimmer, je mehr Proben man ablegt. Das wirkt sich bei der einfachen Probe am stärksten aus, wie wir oben gesehen haben. Was bringen die Proben 6 und 7 noch, wenn man schon Abzüge von -2 hat? Bei den schwierigieren Sammelproben hat man hingegen gar nicht viel Gelegenheit, viele Abzüge anzusammeln. Das gleicht die geringere Probenanzahl der mittleren Probe teilweise wieder aus. Von der mittleren bis zur schwierigen Probe fallen dann aber 40% der Proben weg. Man muss also nicht nur QS 3 erreichen, sondern sollte zumindest QS 5 schaffen können. Für einen relativ sicheren Erfolg benötigt man hier schon einen TaW von 15.

Fazit: Sammelproben sind ohne Computerunterstützung kaum zu durchschauen. Dabei ist die leichte und die mittlere Sammelprobe fast gleich schwer, die schwere Sammelprobe hingegen sehr viel schwieriger.

  • Bis TaW 6 hat man kaum Chancen, selbst einfache Sammelproben zu bestehen. Quasi alle Versuche, irgendwas herzustellen, werden scheitern. Einfache Sammelproben sind nicht einfach!
  • Die Punkte zwischen 6 und 10 sind extrem wichtig und haben ein viel, viel besseres Preis/Leistungsverhältnis als andere Steigerungen.
  • Mit TaW 10 gelingen einfache und mittlere Sammelproben fast immer. Steigere also nicht mehr als 10 Punkte auf Handwerkstalente.
  • Gerade bei Handwerkstalenten gilt also Alles oder Nichts. Entweder man steigert sie auf 10 oder man lässt es sein. Alles dazwischen macht wenig Sinn.
  • Sammelproben sind wesentlich schwieriger als normale Proben. Mit TaW 6 schafft man eine Probe +0 wahrscheinlich, eine Sammelprobe sicher nicht. Mit Taw 12 schafft man eine ‚schwierige‘ Probe -3 wahrscheinlich, eine schwierige Sammelprobe nur mit viel Glück.

Für mich die Sammelprobe ein klassisches Beispiel für einen Mechanismus, der so komplex ist, dass er selbst von den Erschaffern nicht vollständig verstanden wird. Dadurch ist er nicht nur sehr würfelintensiv, sondern führt auch zu seltsamen Ergebnissen. Eine einfache Sammelprobe sollte definitiv einfacher sein.

Ein Hausregelvorschlag

Dieser Hotfixversuch soll Sammelproben transparenter und weniger würfelintensiv machen. Außerdem sollen einfache Sammelproben auch von Anfängern zu schaffen sein.

  • Die Abzüge durch misslungene Proben entfallen.
  • Alle Sammelproben erlauben 5 Proben.
  • Bei einer einfachen Sammelprobe ist der TaW um 7 Punkte erhöht.
  • Bei einer mittleren Sammelprobe ist der TaW um 3 Punkte erhöht.
  • Bei einer schwierigen Sammelprobe ist der TaW unmodifiziert.
  • Bei einer sehr schwierigen Sammelprobe ist der TaW um 3 Punkte gesenkt.
  • Die Probe lässt sich wie folgt einschätzen: Ab einem modifizierten TaW von 7 hat man eine Chance. Ab einem modifizierten TaW von 13 und passablen Attributen von 1 1/11/11 gelingt die Probe fast immer und muss nicht gewürfelt werden.

hausregeln-schwierigkeit-13_13_13

Wie man in der Grafik dazu sieht, verteilt sich die Schwierigkeit der Proben jetzt wesentlich gleichmäßiger. Auch Anfänger haben jetzt eine Chance, einfache Sammelproben zu bestehen und der Spielleiter kann sehr einfach einschätzen, wie gut die Chancen seiner Spieler stehen.

Liebe Grüße,
Curthan

Anhang: Code für den Probenrechner.


%Hier Werte eingeben.
TaW = 10;
Attribut1 = 11;
Attribut2 = 11;
Attribut3 = 11;
wuerfe = 5;                  %Anzahl der erlaubten Proben.
iterationen = 100000;        %Anzahl der "durchgewürfelten" Proben. 10000+ empfohlen. 

%Hier nichts ändern.
%Initialisiert Matrizen und Würfelwürfe
Malusmat = zeros(iterationen,3);
ATvec = [Attribut1, Attribut2, Attribut3];
ATmat = repmat(ATvec, iterationen,1);
rollmat = randi(20,iterationen,3,wuerfe);
QS = zeros(iterationen,wuerfe);
Probenerfolg = zeros(wuerfe,1);
DurchschnittlQS = zeros(wuerfe,1);
for k = 1:wuerfe
    %Bestimmt FP*
    ATmatmod = ATmat + Malusmat;
    diffmat = ATmatmod-rollmat(:,:,k);
    diffmat(diffmat > 0) = 0;
    FPloss = sum(diffmat,2);
    FPrem = TaW + FPloss;
    %Bestimmt QS und zukünftige Probenmali
    Malusmat(FPrem < 0,:) = Malusmat(FPrem < 0,:) -1;
    QS(FPrem == 0,k) = 1;
    QS(FPrem > 0,k) = ceil(FPrem (FPrem >0) ./3);
    Probenerfolg(k) = sum(FPrem >= 0)./iterationen*100;
    DurchschnittlQS(k) = mean(QS(:,k));
end

%Auswertung der Ergebnisse
erfolgschance = sum(sum(QS,2) > 9)./iterationen*100;
disp(['Die Erfolgschance bei (',num2str(Attribut1),'/',num2str(Attribut2),...
    '/',num2str(Attribut3),') und TaW ',num2str(TaW),' liegt bei ',num2str(erfolgschance),'%.']);
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5 Gedanken zu “Sammelproben in DSA5

  1. Hey, danke erstmal für den interessanten Artikel.
    Laut GRW (2. Auflage) besteht eine schwere Sammelprobe aus 5 Versuchen, eine durchschnittliche aus 7 und eine leichte aus 10. Ich frage mich also wie du auf nur 3 Versuche für Schwer kommst und dich gleichzeitig darüber beschwerst dass die leichte Sammelprobe nicht leicht ist, obwohl du die leichte bisher gar nicht berücksichtigt hast. Kannst du diese vielleicht noch nachtragen?
    Wie ist es außerdem mit Teilerfolgen, die ja bereits bei 6 QS erreicht werden?
    Danke

    Gefällt mir

    1. Okay, ich hatte noch die erste Auflage vorliegen, in der von 3/5/7 Proben die Rede ist. Nach meinem Bauchgefühl dürfte dann „schwer“ nicht mehr so schwierig sein und mit einem guten TaW gut machbar sein. Bei „leicht“ dürfte sich gar nicht so viel, weil die Proben 8-10 mit niedrigem TaW schon deutlich erschwert sein dürften. In jedem Fall steigt der Aufwand der Sammelproben noch einmal, weil man dann bis zu 30 Würfel werfen muss, um einen Kuchen zu backen.

      Ich werde aber diesen neuen Fall auch noch einmal durchrechnen und dann ein Addendum posten.

      Gefällt mir

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